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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Unterscheidung sozialer Faltenwespen


... mit Hilfe Ihrer Gesichtszeichnung:

Sächsische Wespe
Sächsische Wespe,  Bild: Hajo Hornberg
Dolichovespula saxonica

Mittlere Wespe
Mittlere Wespe; Foto: Andrea Bernd
Dolichovespula media

Waldwespe
Waldwespe, Foto: Jürgen Peters
Dolichovespula sylvestris
Norwegische Wespe
Foto: Peter Tauchert
Dolichovespula norwegica

Gemeine Wespe
Gemeine Wespe, Bild: Hajo Hornberg
Vespula vulgaris

Deutsche Wespe
Deutsche Wespe,  Bild: Hajo Hornberg
Vespula germanica

Rote Wespe
Rote Wespe, Bild: Hajo Hornberg
Vespula rufa
Hornisse
Hornisse, Foto: Dr. Elmar Billig
Vespa crabro

Wissenswertes vorab ...

Jedes Tier hat seinen Platz in der so genannten Systematik (systematische Einteilung der Arten). Die Eingliederung erfolgt in einer Hierarchie von Kategorien, die man "Taxonomie" nennt. Sie enthält sieben Hauptkategorien (Taxa). So ist die Hornisse (Vespa crabro) wie in nachstehender Tabelle eingeordnet:

Reich: Animalia (Tierreich)
Stamm: Arthropoda (Gliederfüßler)
Klasse: Insecta (Insekten)
Ordnung: Hymenoptera (Hautflügler)
Unterordnung: Apocrita (Taillenwespen)
Gruppe: Aculeata (Stechimmen)
Überfamilie: Vespoidea (Wespenartige - 7 Familien)
Familie: Vespidae (Faltenwespen, Papierwespen)
Unterfamilie: Vespinae (Soziale Faltenwespen, Echte Wespen)
Gattung: Vespa (Großwespen)
Art: Vespa crabro (Hornisse)

Hier noch ergänzend eine Aufstellung der wichtigsten Ordnungen
der Klasse Insekten (Insecta)

Ordnung: Coleoptera (Käfer)
Diptera (Zweiflügler)
Hymenoptera (Hautflügler)
Lepidoptera (Schmetterlinge)
Saltatoria (Heuschrecken)
Odonata (Libellen)
Mantodae (Fangschrecken)
Blattodae (Schaben)
Isoptera (Termiten)
Heteroptera (Wanzen)

Die Hornissen und Wespen gehören also zu den Hautflüglern. Die Hautflügler sind eine der umfangreichsten und für den Menschen wichtigsten Insektenordnungen. Von ihnen sind über 100.000 Arten bekannt. Alleine in Deutschland gibt es über 630 Arten von Wespen in mehr als 120 Gattungen!

Innerhalb der Ordnung Hymenoptera, Unterordnung Apocrita, Gruppe Aculeata (Stechimmen), gehören die Wespen (Faltenwespen einschließlich der Hornissen!) zur Überfamilie Vespoidea.

Diese Überfamilie umfasst mehrere Familien, darunter neben den Scoliidae (Dolchwespen) und Pompilidae (Wegwespen) auch die Vespidae (Faltenwespen). Zu letzterer gehören in Deutschland die Unterfamilie der in Staaten lebenden Vespinae (Soziale Faltenwespen oder Echte Wespen), die ebenfalls sozialen Polistinae (Feldwespen) sowie die einzeln lebenden Eumenidae (Pillen- und Lehmwespen) und die Masarinae (Honigwespen).

Die sehr großen Unterschiede in Färbung, Größe  und Verhaltensweisen weisen daraufhin, dass es sich bei den "Wespen" nicht um eine einzige, fest umrissene, eng miteinander verwandte Insektengruppe handelt. Im Alltagsgebrauch gehört der Ausdruck "Wespen" bei uns zur gebräuchlichen Umgangssprache, ist aber letztendlich aus vorgenannten Gründen kein wissenschaftlich geprägter (taxonomischer) Begriff.

Die Vespidae werden Faltenwespen genannt, weil sie Ihre Vorderflügel in Ruhe der Länge nach zusammenfalten. Dieses besondere Merkmal bildet sich aber erst im Laufe des 1. oder 2. Tages beim ausgeschlüpften Insekt (Imago) aus.


Stammbaum für die in Mitteleuropa lebenden Gattungen der staatenbildenden Vespinae:
(umgezeichnet nach Aufstellung des amerikanischen Wespenspezialisten J.M. Carpenter)

Stammbaum für die in Mitteleuropa lebenden Gattungen der staatenbildenden Vespinae
Ergänzung zum Schaubild: Die Aufteilung der ursprünglichen Gattung Vespula Thomson 1869 in die neuen Gattungen Vespula und Paravespula durch Blüthgen war nicht gerechtfertigt. Paravespula wird heute nur noch als Untergattung (subgenus) von Vespula gewertet und ist als Gattungsname nicht mehr gültig.


In der Bundesrepublik Deutschland und in Mitteleuropa leben 8 Soziale Faltenwespen-Arten (ohne die Feldwespen!). Weltweit sind 61 Arten der Sozialen Faltenwespen bekannt. Alle Arten sind Insektenjäger und benötigen zur Aufzucht ihrer Brut große Mengen von Insekten, die in der Regel für den Menschen schädlich oder lästig sind. Soziale Faltenwespen sind somit wichtige Regulatoren im Ökosystem!

Mehrere Wespenbrutstadien auf einem Bild; Foto von Dr. Elmar Billig
Mehrere Wespenbrutstadien auf einem Bild, Foto von Dr. Elmar Billig

Übersicht der Sozialen Faltenwespen (Hymenoptera Vespidae) in der Bundesrepublik Deutschland

  • Hornisse Vespa crabro Linnaeus, 1758
  • Mittlere Wespe Dolichovespula media (Retzius, 1783); siehe auch die eigene Seite!
  • Sächsische Wespe Dolichovespula saxonica (Fabricius, 1793)
  • Waldwespe Dolichovespula sylvestris (Scopoli, 1763)
  • Norwegische Wespe Dolichovespula norwegica (Fabricius, 1793)
  • Rote Wespe Vespula rufa (Linnaeus, 1758)
  • Deutsche Wespe Vespula germanica (Fabricius, 1793)
  • Gemeine- oder gewöhnliche Wespe Vespula vulgaris (Linnaeus, 1758)

Dazu kommen noch 3 sozialparasitisch lebende Arten (Kuckuckswespen)

  • Falsche Kuckuckswespe Dolichovespula adulterina (du Buysson, 1905)
  • Waldkuckuckswespe Dolichovespula omissa (Bischoff, 1931)
  • Österreichische Kuckuckswespe Vespula austriaca (Panzer, 1799)

 Foto von Thomas Rickinger
Sächsischen Wespe beim Einfliegen in einen Meisennistkasten
Schnappschuss einer Sächsischen Wespe beim Einfliegen in einen Meisennistkasten.
Man kann bei genauerem Hinsehen das Beutepäckchen erkennen.

Nur die zwei zuletzt genannten Arten werden dem Menschen lästig durch das intensive Anfliegen von süßen Speisen und Getränken!

Hier die wichtigsten Erkennungsmerkmale der "lästigen" 2 Arten, der deutschen- und gemeinen Wespe:

  • Alle Wespenvölker, die nach Mitte September immer noch stark fliegen, können mit Sicherheit diesen beiden "lästigen" Arten zugeordnet werden, bei günstiger Witterung überleben die Tiere bis Mitte November!

  • Charakteristisch ist eine hohe Volksstärke von mehreren tausend Tieren!

  • Nester befinden sich vorwiegend in Erdhöhlen oder aber in anderen dunklen Hohlräumen, keine freihängenden Nester wie z.B. in Hecken, Geäst oder auf hellen Dachböden!


Die wichtigsten Merkmale der sozialen Faltenwespen sind in nachstehender Tabelle aufgeführt:

Unterfamilie Vespinae

Art

Volksstärke

Aktivität

Höhlennister

Freinister

Gattung Vespa Vespa crabro
Hornisse
100 - 700 ca. Mitte V
- Ende X
x    o   u selten, evtl. unter Dachüberständen o. ä.
Gattung Dolichovespula
"Langkopfwespen"
D. media
Mittlere Wespe
100 - 200Ende IV - Mitte IX nein x
D. norwegica
Norwegische Wespe
100 - 200Ende IV - Ende VIII nein x
D. saxonica
Sächsische Wespe
100 - 200Ende IV - Ende VIII x      o x
D. sylvestris
Waldwespe
100 - 200 Ende IV - Ende VIII x     o    u x
Gattung Vespula
"Rundkopfwespen"
oder
"Kurzkopfwespen"
Vespula rufa
Rote Wespe
100 - 200 Ende IV - Ende VIII x          u nein
V. germanica
Deutsche Wespe
1000 - 7000
oder mehr!
Anf. V - Mitte XI x     o    u nein
V. vulgaris
Gemeine Wespe
1000 - 5000
oder mehr!
Anf. V - Mitte XI x     o    u nein
Erläuterungen: x = ja
o
= oberirdischer Neststandort
u
= unterirdischer Neststandort

Die Rote Wespe Vespula rufa findet sich recht selten im Siedlungsbereich des Menschen. Sie ist eine ausgesprochene Erdnisterin. Diese Art ist sehr einfach und sicher an den ersten beiden rötlich gefärbten Hinterleibssegmenten zu erkennen. ein weiteres Kennzeichen ist eine breite, ankerförmige Zeichnung im Gesicht.

Die "Rote Wespe" Paravespula rufa Die "Rote Wespe" Paravespula rufa Die "Rote Wespe" Paravespula rufa
 Fotos: Hajo Hornberg; zur Großansicht bitte auf eine der Miniaturen klicken

Hajo Hornberg hat die Rote Wespe Vespula rufa auf der kleinen dänischen Kattegatinsel Tunö fotografiert.


Wer die Sozialen Faltenwespen genau bestimmen möchte, dem sei die Bestimmungshilfe von Rolf Witt besonders empfohlen (Din A5, zweiseitig)! Sie ist hier bestellbar:  http://biologiebedarf.umbw.de/

Bestimmungshilfe - Faltenwespen
Bestimmungstafel Soziale Faltenwespen von Rolf Witt


Feldwespen - Unterfamilie Polistinae

Weltweit sind etwa 630 Arten der Feldwespen bekannt, sie gehören ebenso zur Familie der Faltenwespen (Vespidae). Schwerpunkte ihrer Verbreitung liegen in den Tropen und Subtropen. Sie bilden als Gegenstück zu den Vespinae (Soziale Faltenwespen, Echte Wespen) eine weitere Unterfamilie Polistinae.

Nur 5 Arten, (die alle zur Gattung Polistes Latreille, 1802 gehören), leben davon in Deutschland:

  • Polistes bischoffi Weyrauch, 1937 Zierliche Feldwespe

  • Polistes biglumis bimaculatus (Geoffroy, 1785) Berg-Feldwespe
    ->
    Die Nominatart heißt Polistes biglumis (Linnaeus, 1758), in Deutschland kommt nur die Unterart vor

  • Polistes dominulus (Christ, 1791) Gallische Feldwespe oder Französische Feldwespe

  • Polistes nimpha (Christ, 1791) Heide-Feldwespe

  • Polistes atrimandibularis Zimmermann, 1930 Berg-Feldwespen-Kuckuckswespe
    Polistes atrimandibularis gilt in der BRD als ausgestorben bzw. verschollen. Für diese Art liegen nur einige (z.T. fragwürdigen) Altnachweise aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts vor. Verschiedentlich in der Fachliteratur auch in die Untergattung Sulcopolistes eingeordnet, also synonym Sulcopolistes atrimandibularis benannt. Bei dieser Art handelt es sich um eine
    sozialparasitische Kuckuckswespe, die Staaten von Polistes biglumis aufsucht.

 Arbeiterin von Polistes nimpha auf Seerosenblatt, Foto: Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Arbeiterin von Polistes nimpha auf Seerosenblatt

Die Feldwespen sind den höher entwickelten Echten Wespen der Unterfamilie Vespinae in Aussehen und Verhalten ziemlich ähnlich, und werden daher manchmal sogar für Hornissen gehalten:

  • Sie weisen eine typische schwarz-gelbe Warnfärbung auf

  • Feldwespen sind eusozial, denn auch diese Arten gründen kleine Völker.

  • Beide Unterfamilien (Vespinae und Polistinae) bauen Nester aus papierähnlichen Stoffen, welche aus morschen und zerkauten Holzfasern gebildet werden (daher werden sie auch Papierwespen genannt - im Gegensatz zur weiteren Unterfamilie Eumenidae, den Lehmwespen, die ihre Nester vorwiegend im  Lehm oder mit Lehm bauen.

  • Die heimischen Arten der Feldwespen fliegen zwischen April und September

 Drohn von Polistes nimpha beim Sonnenbad, Foto:Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Drohn von Polistes nimpha beim Sonnenbad

Drohn von Polistes sp. hier erkennt man sehr schön das typische Erkennungsmerkmal, die eingerollten Fühlerspitzen, Foto:Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Drohn von Polistes sp. mit typ. Erkennungsmerkmal, den eingerollten Fühlerspitzen

 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes nimpha
 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes nimpha

Allerdings gibt es auch bedeutende Unterschiede zu den Echten Wespen:

  • Das beste Unterscheidungsmerkmal ist die Form der Wespentaille! Bei den Feldwespen verjüngt sich der Hinterleib an seinem Vorderende allmählich spindelförmig zum Brustkorb hin. Bei den Echten Wespen hingegen geht er abrupt in den dünnen Petiolus über, er sieht daher an seiner Basis aus wie senkrecht abgestutzt. Dieses Merkmal ist auch bei ruhenden oder toten Tieren einwandfrei zu erkennen

  • Die langen Beine hängen beim Flug der Feldwespen sehr weit herunter, ein sicheres Erkennungszeichen. Ebenso ist der insgesamt sehr schlanke Körperbau ein Merkmal.

  • Die Männchen (Drohne) haben grünlich-gelb-weiße Facettenaugen und die Antennenspitzen ("Fühlerspitzen") sind etwas eingerollt.

  • Königinnen und Arbeiterinnen sind vor allem in der späteren Saison aber oft nur noch schwer zu unterscheiden, weil beide dann fast gleich groß werden. Der Kastendimorphismus ist bei Feldwespen eher schwach ausgeprägt.

 Kolonie von Polistes dominulus, Foto: Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Kolonie von Polistes dominulus

Jungköniginnen von Polistes dominulus, Foto: Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Jungköniginnen von Polistes dominulus

Meistens werden die Nester an südexponierten, xerothermen, recht sonnendurchwärmten Stellen aufgebaut, um die passive Erwärmung der Brutzellen zu nutzen. Polistes bischoffi bewohnt als Lebensraum allerdings bevorzugt Feuchtgebiete und Schilfbiotope. Einige Arten wie die Gallische Wespe Polistes dominulus nutzt gerne Lebensräume im menschlichen Siedlungsbereich, also sie zeigt eindeutig eine Tendenz zur so genannten Synanthropie.

  • Das Nest wird in den meisten Fällen durch ein einziges Weibchen (Königin) gegründet (haplometrotisch). Vereinzelt ist auch eine Nestgründung von mehreren Weibchen (Königinnen) zu beobachten (pleometrotisch). In der Zeit der Nestbetreuung kommt bei beiden vorgenannten Gründungstypen die Polygynie häufig vor, d.h. ein Volk kann durchaus auch von mehreren Weibchen (Königinnen) betreut werden (Polygyne Nester). Meistens finden sich zu dieser Gemeinschaftsbetreuung Schwesterntiere zusammen. Bei polygynen Nestgründungen wird sehr früh eine Rangordnung etabliert. Das dominierende Alpha-Tier (Alpha-Weibchen) legt die Mehrheit der Eier, die rangniederen Mitgründerinnen fungieren hauptsächlich als "Arbeiterinnen". Sie werden später meist vertrieben oder gar getötet, sobald die ersten echten Arbeiterinnen schlüpfen. Polygynie bringt populationsbiologisch Vorteile zur Erhaltung der Art mit sich (wie besserer Schutz vor Feinden, erhöhte Produktion von Zellen, Verlust einer Königin, etc.).

  • Waben und Völker sind deutlich kleiner als die in der Bevölkerung bekannteren Echten Wespen (Vespinae).

  • Nester der Feldwespen sind immer hüllenlos, auch wenn verschiedentlich anders berichtet wird. Feldwespen bauen nur eine einzige Wabe und diese liegt stets frei und offen - ohne irgendeine schützende Nesthülle, wie es auf dem obigen Foto gut zu sehen ist. Das ist auch ein typisches Unterscheidungsmerkmal zu den Echten Wespen, deren Nester (außer in einem sehr frühen Stadium) stets von einer Nesthülle umgeben sind oder zumindest den Ansatz einer solchen zeigen. An unser häufig ungemütliches Klima haben sich die Feldwespen insofern angepasst, dass sie als Nistort hierzulande häufig wettergeschützte Unterstände wählen.

  • Die Waben heften die Feldwespen mit einem zentralen Stiel an Pflanzen und andere geeignete Substrate wie Holz, überhängende Steine etc. an. Bei großen Waben wird die Stabilität durch weitere Nebenstiele erhöht. Als eine gut zu verteidigende Engstelle gegen Ameisen dient der meist recht kurze Stiel zwischen Wabe und Substrat.

 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus

 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus
 Fotos: Volker Borovsky; Polistes dominulus

Bei Temperaturanstiegen im Nest setzen sich die Feldwespen an den Oberrand der Wabe, um durch Flügelfächeln die überschüssige Wärme abzutransportieren - wie man es bei den Hornissen ebenso beobachten kann. An extrem heißen Tagen wird zusätzlich Wasser in die Zellen transportiert, das Verdunstungskälte erzeugt. Auf diese Weise kann eine für die Brut schädliche Temperatur vermieden und tagsüber eine konstante Nesttemperatur gehalten werden.

Dazu eine Beobachtung von Volker Borovsky: "Bei mir im Garten stehen im Sommer immer Kübel, die mit Wasser gefüllt sind. Zur besseren Eignung als Gießwasser wird es durch die Sonne angewärmt. Polistes benötigt zur Nestkühlung wie unsere Bienen und Echten Wespen bei heißen Temperaturen Wasser. Polistes um so mehr, da die offenen Waben mitunter der Sonne direkt ausgesetzt sind.

Einige Male konnte ich zu meiner Überraschung feststellen, dass Polistes dominulus nicht nur am Kübelrand Wasser aufnimmt, sondern mit weit gespreizten Beinen mitten auf der Wasserfläche aufsitzt und von dieser auch leicht wieder abhebt. Eine Beobachtung, die ich in der mir zugänglichen Literatur bisher nicht gefunden habe. Alle andere Wespenverwandten sind wegen des anderen Körperbaus dazu nicht in der Lage."

Dazu eine Beobachtung von Thomas Rickinger: " Dem letzten Satz dieser sehr schönen Darstellung eines für Polistes typischen Verhaltens wäre jedoch zu widersprechen: zumindest die Deutsche Wespe (Vespa germanica) kann das nämlich auch, wie das beigefügte Foto zeigt. Allerdings handelt es sich dabei wirklich um einen absoluten Ausnahmefall. Normalerweise lassen sich die anderen Wespenarten zur Wasseraufnahme praktisch immer auf einen festen Untergrund (Teichufer, Seerosenblätter, ins Wasser hängende Zweige etc.) nieder.

Wie auf dem Bild deutlich zu erkennen, dellt sich die Wasseroberfläche unter den Beinen der Wespe, doch ist die Oberflächenspannung groß genug um zu verhindern, dass das Tier einbricht. Ziemlich riskant ist diese Aktion dennoch: kommt es doch immer wieder vor, dass die trinkende Wespe von anderen Sammlerinnen angerempelt und unter Wasser gedrückt wird. Ertrunkene Wespen waren an meinem – im Sommer viel beflogenen – Teich in den vergangenen Jahren daher ein fast alltägliches Ereignis.

 Foto: Thomas Rickinger; Deutsche Wespe sitzt auf dem Wasser auf
 Foto: Thomas Rickinger; Deutsche Wespe Vespa germanica sitzt direkt auf der Wasseroberfläche auf

 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes dominulus
 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes dominulus

Feldwespen sind in der Regel sehr friedfertig.

Nur bei Erschütterung des Nestes oder Belästigung am Nest werden Flugattacken ungeflogen. Polistes bischoffi gilt dabei als angriffslustigste Art im unmittelbaren Nestbereich. Stiche verursachen, wenn überhaupt, nur einen kurz andauernden Schmerz. Man sollte Feldwespennester im menschlichen Siedlungsbereich also unbedingt tolerieren und schützen.

 Foto: Dieter Kosmeier; Feldwespe beim abraspeln von Baumaterial für ihr Nest
 Foto: Dieter Kosmeier; Feldwespe beim abraspeln von Baumaterial

Feldwespen jagen vorwiegend weichhäutige und nicht allzu mobile Beute wie z.B. Schmetterlingsraupen. Doch gerne nehmen sie auch Nektar auf.

 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus besucht eine Blüte
 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus

In einigen Ländern werden Polistes gezielt zur biologischen Schädlingbekämpfung eingesetzt und auch im heimischen Gemüsebeet räumen sie gelegentlich unter verschiedenen Schadinsekten auf. Also sollte man froh sein, sie im eigenen Garten beherbergen zu dürfen.


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