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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Hornissen und Beute

Text: Thomas Rickinger


Beutewahl

Die Hornisse besitzt ein breit gefächertes Beutespektrum. Wie die meisten sozialen Faltenwespen ist sie im Hinblick auf ihre Beutewahl ein wenig wählerischer Generalist, der eine Vielzahl an Insekten und Spinnentieren erjagt.

Die quantitative Zusammensetzung der ins Nest gebrachten Beute unterscheidet sich von Volk zu Volk oft stark. Meist stellen Fliegen (Diptera) die anteilmäßig größte Gruppe dar, die bis zu 90% der eingebrachten Beute ausmachen kann. Zu dieser zählen nicht wenige für Mensch und Vieh lästige oder gar schädliche Arten wie Bremsen, Wadenstecher, Gold-, Schmeiß-, Fleisch- und Stubenfliegen.

Hornisse mit erbeuteter Fliege; Foto: Hajo Hornberg
 Fotos: Hajo Hornberg
Hornisse mit erbeuteter Fliege; Foto: Hajo Hornberg


Gern erbeutet werden auch Vertreter aus der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera), insbesondere Wespen und Honigbienen sowie vereinzelt sogar Hummeln. Dass die Hornisse gelegentlich auch Honigbienen fängt, hat ihr in der Vergangenheit zu Unrecht den Ruf eines Bienenschädlings eingebracht. Bereits der römische Dichter Vergil (70 - 19 v. Chr.) erwähnte sie in seinem Werk „Über den Landbau“ und bescheinigte ihr überdies missbilligend, mit "ungleichen Waffen" zu kämpfen: „aut asper crabro imparibus se immiscuit armis“. Tatsächlich aber sind in unseren Breiten die durch Hornissen verursachten Flugbienenverluste für gesunde Bienenvölker völlig belanglos.


 Fotos: Dr. Elmar Billig


Die Hauptnahrung der Hornissen besteht bis zu 90% aus Fliegenarten, als Insektenjäger verschmähen sie allerdings auch Bienen nicht. Wissenschaftler von Bieneninstituten haben jedoch festgestellt, dass diese Bienenjagd nicht zu spürbaren Verlusten bei den betroffenen Bienenvölkern führt. Der für den Imker auftretende Schaden ist minimal: Entgegen vieler anders lautender Behauptungen fangen Hornissen nur wenige Sammlerinnen eines Bienenvolkes ab. Die tägliche Fangquote beträgt ab Anfang Juni ca. 10-15 Bienen pro Volk, denn es gehen stets nur einige Hornissen als "Spezialisten" auf Bienenfang.

Ein zu diesem Zeitpunkt voll entwickeltes Bienenvolk steht dieser vorgenannten Beute zahlenmäßig mit ca. 50.000 Tieren gegenüber. Berücksichtigt man die hohe Eiablage einer Bienenkönigin und die daraus pro Tag und Volk 1.500 - 3.000 schlüpfenden Jungbienen zu dieser Jahreszeit, so ist der Verlust der abgefangenen Bienen - im Vergleich zu den vielen neuen Nachkommen - wirklich relativ gering (< 1%) und für ein gesundes Bienenvolk somit unwesentlich. Die erbeuteten Sammlerinnen würden zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr winterständig. Außerdem dürfte der witterungsbedingte Verlust von Sammlerinnen zusammen mit anderen Ursachen (z.B. Pestizide, Herbizide, Varroa-Milbe, Straßenverkehr) weitaus stärker ins Gewicht fallen


Auch ihre kleineren Verwandten, die Wespen, stehen auf dem Speiseplan. Wer ein Hornissenvolk im eigenen Garten beherbergt, wird daher oftmals erfreut feststellen, dass dieses die am sonntäglichen Kaffeetisch lästig werdenden Wespenarten kurz hält.

Die Jagd auf wehrhafte Beutetiere wie Bienen und Wespen ist auch für die Hornisse nicht ganz ohne Risiko. Der Verfasser konnte in einem Fall beobachten, wie eine gefangene Deutsche Wespe (Vespula germanica) ihrer Jägerin einen Stich in die weiche Kinnpartie versetzte. Die gestochene Hornisse war anschließend flugunfähig, ihr Kopf und Vorderthorax weitgehend paralysiert.

Eine erschöpfende Auflistung aller noch zum Beutespektrum der Hornisse zählenden Spinnen- und Insektenarten ist kaum möglich. Gejagt werden unter anderem Grashüpfer, Grillen, Heuschrecken, Libellen, mittelgroße Käfer, Tag- und Nachtfalter, Singzikaden, Schmetterlingsraupen sowie Radnetzspinnen, um nur einige zu nennen. Auch das imposante Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) und die mächtigen Edellibellen (Aeschnidae) fallen ihr gelegentlich zum Opfer (eigene Seite). Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Hornisse gern die Raupen des Eichenwicklers (Tortix viridana) oder der Gemeinen Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini) von befallenen Bäumen absammelt und sich damit auch im Forstschutz nützlich macht.

Der Einfluss der Hornisse als "Naturpolizei" auf das biologische Gleichgewicht ist keinesfalls zu unterschätzen. Ein großes Hornissenvolk vertilgt im Verlauf der Saison mehrere Kilogramm Insekten, darunter viele für den Menschen schädliche oder lästige Arten.

Manche Hornissenfreunde füttern "ihre" Hornissen gezielt - neben Honig, Apifonda und Zuckerwasser - auch mit Proteinen. Nachstehendes Foto zeigt, dass auch Mehlwürmer aus dem Zoohandel durchaus gerne genommen werden.

Hornisse mit erbeutetem Mehlwurm; Foto: Ralf Martin Schreck
 Foto: Ralf Martin Schreck


Beutefang

Der aufmerksame Naturfreund hat vielleicht bereits einmal eine jagende Hornisse über die Blütenstände von Bärenklau, Rainfarn und anderen blühenden Wiesenpflanzen patrouillieren sehen. Aber auch an sonnigen Hecken und Waldränder, an Komposthaufen oder gar an Weidevieh, kurzum überall wo sich häufig Insekten tummeln, bieten sich den Hornissen günstige Jagdgelegenheiten. Lohnende Stellen werden immer wieder aufgesucht. Die einzelnen Arbeiterinnen beweisen hier oftmals eine recht große Ortsstetigkeit und spezialisieren sich gelegentlich sogar auf eine bestimmte Beutetierklasse.

Die Hornisse überrumpelt ihre Beute in den meisten Fällen im blitzschnellen Anflug auf kurze Distanz. Potentielle Beutetiere erfasst die Jägerin zuerst visuell: angegriffen werden vorwiegend dunkle Objekte von bestimmter Größe. Wegen der eher geringen Sehleistung der Hornissen sind hierbei häufige Irrtümer unvermeidlich. Oftmals werden daher auch unanimierte Objekte wie vertrocknete Blüten, Verfärbungen, Schmutzflecken, verrostete Nägelköpfe und ähnliches versehentlich attackiert. Ob es sich um ein geeignetes Beutetier handelt, erkennt die Hornisse mit Hilfe ihres Geruchsinnes.

Obwohl Hornissen ausnehmend geschickte Flieger sind und blitzschnell auf ein Beutetier herabstoßen können, bleibt die Mehrheit der Fangversuche meist erfolglos. Hat die Jägerin endlich ein Insekt erbeutet, tötet sie es rasch durch Bisse ihrer kräftigen Mandibeln. Nur ausnahmsweise, wenn die Hornisse etwa im Kampf mit einem starken und sich heftig wehrenden Beutetier die Initiative verliert, wird auch der Giftstachel zur Tötung eingesetzt. Das erlegte Wild kann gelegentlich fast unversehrt als Ganzes ins Nest gebracht werden. Meist wird es aber noch an Ort und Stelle waidgerecht zerlegt. Hierzu lässt sich die Jägerin auf einem Zweig oder Blatt nieder, wo sie - häufig kopfabwärts an einem Bein hängend - dem Beutetier Beine, Flügel, Kopf und Hinterleib abtrennt. Verwendet wird in der Regel nur der muskulöse Thorax, den die Hornisse gründlich zu einem kugelförmigen, fleischigen Brei zerkaut und mit diesem Fleischpäckchen ins heimische Nest zurückkehrt. Manchmal ist das zur Strecke gebrachte Insekt auch so groß, das es mehrere Flüge braucht, um es zu zerlegen und fortzuschaffen. Sehr kleine Beutetiere werden hingegen als Ganzes restlos zerkaut und die entstehende Fleischbrühe in den Kropf aufgenommen, dessen Inhalt später im heimischen Volk wieder hervorgewürgt und an die Nestgenossinnen verteilt wird. Anschließend setzt das Tier häufig seine Jagd fort.

Im heimischen Nest angekommen verfüttert die Jägerin das mitgebrachte Fleischpäckchen entweder selbst an die Larven oder gibt es an jene Nestgenossinnen weiter, die im "Innendienst" als Brutpflegerinnen tätig sind. In beiden Fällen wird das Beutepäckchen ein weiteres Mal gründlich durchgekaut und anschließend in kleinen Portionen an die hungrigen Larven verteilt.


 Fotos: Thomas Rickinger
Hornissenjagdgebiet; Foto: Thomas Rickinger Hornisse mit Beute; Foto: Thomas Rickinger Hornisse mit Beute; Foto: Thomas Rickinger Hornisse mit Beute; Foto: Thomas Rickinger Hornisse mit Beute; Foto: Thomas Rickinger
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Reste einer Hornissenmahlzeit ...


 Fotos: Dr. Elmar Billig


Häufige Frage an Hornissenschutz.de:
Fangen Hornissen auch Hummeln als Beute?

Antwort 1
Hallo Frank,
dass Hornissen i.d.R. keine Hummel jagen, kann ich bestätigen. Nur einmal sah ich, wie eine nestgründende Hornissenkönigin gegen Ende Mai/Anfang Juni ein sehr kleines Exemplar einer Wiesenhummel-Arbeiterin (Bombus pratorum) fing. Hornissenarbeiterinnen meiden Hummeln dagegen stets. Vermutlich liegt das weniger daran, dass Hummeln nicht als Beute geeignet sind; die Hornisse kann offenbar eine Hummel aufgrund deren Größe und Stärke nicht schnell genug überwältigen, um die Gefahr auszuschließen, von dieser gestochen zu werden.

Trotz des relativ festen Chitinpanzers der Hornisse gibt es doch einige Stellen, wo ein Bienen- oder Wespenstachel durchgehen könnte, so dass die Hornisse potentiell in Gefahr ist, von ihrer Beute getötet zu werden. Die Hornisse "weiß" das offensichtlich auch und geht bei der Jagd auf solche Beute gewöhnlich vorsichtiger zu Werke: an der Fetthenne (Sedum telephium) schlagen Angriffe auf Honigbienen in nahezu 100% aller Fälle fehl, da die Hornisse offensichtlich aufgrund des Baues der Blütenstände nicht in der Lage ist, die Biene mit einem Biss in den oberen Thoraxbereich zu töten. Und sich heftig wehrende Faltenwespen (und manchmal auch Bienen) können sich nicht selten wieder frei strampeln, da die Hornisse meistens loslässt, sobald sie die Initiative verliert. Umgekehrt gelingt dies einer noch größeren und ebenfalls wespenähnlichen Volucella nicht, in diesem Fall hält die Hornisse eisern fest.

Zum Schluss noch einige weitere Beobachtungen:
Eine Hornissenkönigin fing gegen Ende Mai einen großen Maikäfer (Melolontha melolontha). Um diese ernorme - er war fast zu groß wie die Jägerin - und äußerst hart gepanzerte Beute zu zerlegen, benötigte die Hornisse ganze 8 Minuten! Eine Hornissenarbeiterin griff eine große Kreuzspinne an, die in der Mitte ihres Radnetzes saß und sich nur durch hastiges Abseilen retten konnte. Anschließend pickte die Hornisse eine eingesponnene Honigbiene aus dem Netz, mit welcher sie davon flog.

Thomas Rickinger

Antwort 2
Christiane und ich haben beobachten können, wie eine Hornissenarbeiterin eine Baumhummel ergriff und sich damit zunächst entfernte. An einem kleinen Teich haben wir in jedem Jahr wieder Kugeldisteln angebaut. Sie sind in der Blühte übersäht mit verschiedenen Insekten, insbesondere aber Honigbienen, verschiedenen Hummelarten und Schmetterlingen. Blüte etwa Mitte Juli bis August, dauert z.Zt. noch an. Im vergangenen Sommer haben wir beobachten können, wie eine Hornissenarbeiterin anflog und gezielt auf eine auf der Blüte saugende Hummel zusteuerte. Die Hornisse stürzte sich auf die Hummel, d.h. ergriff sie von oben und zog sie mit etwas Mühe von der Blühte weg. Mühe deswegen, weil sich die Hummel noch an der Blüte festzuhaken versuchte. Die Hornisse ist anschießend mit ihrer Beute davongeflogen und hat sich auf einer unmittelbar angrenzenden Buche nieder gelassen. Dort hat sie die Baumhummel zerlegt und ist mit dem Thorax weiter geflogen. Unsere Beobachtung gelang uns nachmittags bei guten sommerlichen Temperaturen.

Dieter Reckfort


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