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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Unterscheidung der Feldwespen
Unterfamilie Polistinae


Diese interessanten Wespen sind kaum mit einer Hornisse zu verwechseln. Beachten Sie besonders die schlankere Silhouette, die geringere Größe und die sehr langen Beine, die beim Flug stets weit herunter hängen. Bei genauem Hinsehen werden die Unterschiede zur Hornisse sehr schnell deutlich!


Weltweit sind etwa 630 Arten der Feldwespen bekannt, sie gehören ebenso zur Familie der Faltenwespen (Vespidae). Schwerpunkte ihrer Verbreitung liegen in den Tropen und Subtropen. Sie bilden als Gegenstück zu den Vespinae (Soziale Faltenwespen, Echte Wespen) eine weitere Unterfamilie Polistinae.

Nur 5 Arten, (die alle zur Gattung Polistes Latreille, 1802 gehören), leben davon in Deutschland:

  • Polistes bischoffi Weyrauch, 1937 Zierliche Feldwespe

  • Polistes biglumis bimaculatus (Geoffroy, 1785) Berg-Feldwespe
    ->
    Die Nominatart heißt Polistes biglumis (Linnaeus, 1758), in Deutschland kommt nur die Unterart vor

  • Polistes dominula (Christ, 1791) Haus-Feldwespe, Gallische - oder Französische Feldwespe

  • Polistes nimpha (Christ, 1791) Heide-Feldwespe

  • Polistes atrimandibularis Zimmermann, 1930 Berg-Feldwespen-Kuckuckswespe
    Polistes atrimandibularis gilt in der BRD als ausgestorben bzw. verschollen. Für diese Art liegen nur einige (z.T. fragwürdigen) Altnachweise aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts vor. Verschiedentlich in der Fachliteratur auch in die Untergattung Sulcopolistes eingeordnet, also synonym Sulcopolistes atrimandibularis benannt. Bei dieser Art handelt es sich um eine
    sozialparasitische Kuckuckswespe, die Staaten von Polistes biglumis aufsucht.

 Arbeiterin von Polistes nimpha auf Seerosenblatt, Foto: Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Arbeiterin von Polistes nimpha auf Seerosenblatt

Die Feldwespen sind den höher entwickelten Echten Wespen der Unterfamilie Vespinae in Aussehen und Verhalten ziemlich ähnlich, und werden daher manchmal sogar für Hornissen gehalten:

  • Sie weisen eine typische schwarz-gelbe Warnfärbung auf.

  • Feldwespen sind eusozial, denn auch diese Arten gründen kleine Völker.

  • Beide Unterfamilien (Vespinae und Polistinae) bauen Nester aus papierähnlichen Stoffen, welche aus morschen und zerkauten Holzfasern gebildet werden (daher werden sie auch Papierwespen genannt - im Gegensatz zur weiteren Unterfamilie Eumenidae, den Lehmwespen, die ihre Nester vorwiegend im  Lehm oder mit Lehm bauen.

  • Die heimischen Arten der Feldwespen fliegen zwischen April und September.

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 Drohn von Polistes nimpha beim Sonnenbad, Foto:Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Drohn von Polistes nimpha beim Sonnenbad

Drohn von Polistes sp. hier erkennt man sehr schön das typische Erkennungsmerkmal, die eingerollten Fühlerspitzen, Foto:Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Drohn von Polistes sp. mit typ. Erkennungsmerkmal, den eingerollten Fühlerspitzen

 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes nimpha
 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes nimpha

Allerdings gibt es auch bedeutende Unterschiede zu den Echten Wespen:

  • Das beste Unterscheidungsmerkmal ist die Form der Wespentaille! Bei den Feldwespen verjüngt sich der Hinterleib an seinem Vorderende allmählich spindelförmig zum Brustkorb hin. Bei den Echten Wespen hingegen geht er abrupt in den dünnen Petiolus über, er sieht daher an seiner Basis aus wie senkrecht abgestutzt. Dieses Merkmal ist auch bei ruhenden oder toten Tieren einwandfrei zu erkennen

  • Die langen Beine hängen beim Flug der Feldwespen sehr weit herunter, ein sicheres Erkennungszeichen. Ebenso ist der insgesamt sehr schlanke Körperbau ein Merkmal.

  • Die Männchen (Drohne) haben grünlich-gelb-weiße Facettenaugen und die Antennenspitzen ("Fühlerspitzen") sind etwas eingerollt.

  • Königinnen und Arbeiterinnen sind vor allem in der späteren Saison aber oft nur noch schwer zu unterscheiden, weil beide dann fast gleich groß werden. Der Kastendimorphismus ist bei Feldwespen eher schwach ausgeprägt.

 Kolonie von Polistes dominulus, Foto: Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Kolonie von Polistes dominula

Jungköniginnen von Polistes dominulus, Foto: Thomas Rickinger
 Foto: Thomas Rickinger; Jungköniginnen von Polistes dominula

Meistens werden die Nester an südexponierten, xerothermen, recht sonnendurchwärmten Stellen aufgebaut, um die passive Erwärmung der Brutzellen zu nutzen. Polistes bischoffi bewohnt als Lebensraum allerdings bevorzugt Feuchtgebiete und Schilfbiotope. Einige Arten wie die Gallische Wespe Polistes dominula nutzt gerne Lebensräume im menschlichen Siedlungsbereich, also sie zeigt eindeutig eine Tendenz zur so genannten Synanthropie.

  • Das Nest wird in den meisten Fällen durch ein einziges Weibchen (Königin) gegründet (haplometrotisch). Vereinzelt ist auch eine Nestgründung von mehreren Weibchen (Königinnen) zu beobachten (pleometrotisch). In der Zeit der Nestbetreuung kommt bei beiden vorgenannten Gründungstypen die Polygynie häufig vor, d.h. ein Volk kann durchaus auch von mehreren Weibchen (Königinnen) betreut werden (Polygyne Nester). Meistens finden sich zu dieser Gemeinschaftsbetreuung Schwesterntiere zusammen. Bei polygynen Nestgründungen wird sehr früh eine Rangordnung etabliert. Das dominierende Alpha-Tier (Alpha-Weibchen) legt die Mehrheit der Eier, die rangniederen Mitgründerinnen fungieren hauptsächlich als "Arbeiterinnen". Sie werden später meist vertrieben oder gar getötet, sobald die ersten echten Arbeiterinnen schlüpfen. Polygynie bringt populationsbiologisch Vorteile zur Erhaltung der Art mit sich (wie besserer Schutz vor Feinden, erhöhte Produktion von Zellen, Verlust einer Königin, etc.).

  • Waben und Völker sind deutlich kleiner als die in der Bevölkerung bekannteren Echten Wespen (Vespinae).

  • Nester der Feldwespen sind immer hüllenlos, auch wenn verschiedentlich anders berichtet wird. Feldwespen bauen nur eine einzige Wabe und diese liegt stets frei und offen - ohne irgendeine schützende Nesthülle, wie es auf dem obigen Foto gut zu sehen ist. Das ist auch ein typisches Unterscheidungsmerkmal zu den Echten Wespen, deren Nester (außer in einem sehr frühen Stadium) stets von einer Nesthülle umgeben sind oder zumindest den Ansatz einer solchen zeigen. An unser häufig ungemütliches Klima haben sich die Feldwespen insofern angepasst, dass sie als Nistort hierzulande häufig wettergeschützte Unterstände wählen.

  • Die Waben heften die Feldwespen mit einem zentralen Stiel an Pflanzen und andere geeignete Substrate wie Holz, überhängende Steine etc. an. Bei großen Waben wird die Stabilität durch weitere Nebenstiele erhöht. Als eine gut zu verteidigende Engstelle gegen Ameisen dient der meist recht kurze Stiel zwischen Wabe und Substrat.

 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus  Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus
 Fotos: Volker Borovsky; Polistes dominula

Bei Temperaturanstiegen im Nest setzen sich die Feldwespen an den Oberrand der Wabe, um durch Flügelfächeln die überschüssige Wärme abzutransportieren - wie man es bei den Hornissen ebenso beobachten kann. An extrem heißen Tagen wird zusätzlich Wasser in die Zellen transportiert, das Verdunstungskälte erzeugt. Auf diese Weise kann eine für die Brut schädliche Temperatur vermieden und tagsüber eine konstante Nesttemperatur gehalten werden.

 Foto: Volker Borovsky; Polistes nimpha  Foto: Volker Borovsky; Polistes nimpha  Foto: Volker Borovsky; Polistes nimpha
 Fotos: Volker Borovsky; Polistes nimpha


Dazu eine Beobachtung von Volker Borovsky: "Bei mir im Garten stehen im Sommer immer Kübel, die mit Wasser gefüllt sind. Zur besseren Eignung als Gießwasser wird es durch die Sonne angewärmt. Polistes benötigt zur Nestkühlung wie unsere Bienen und Echten Wespen bei heißen Temperaturen Wasser. Polistes um so mehr, da die offenen Waben mitunter der Sonne direkt ausgesetzt sind.

Einige Male konnte ich zu meiner Überraschung feststellen, dass Polistes dominula nicht nur am Kübelrand Wasser aufnimmt, sondern mit weit gespreizten Beinen mitten auf der Wasserfläche aufsitzt und von dieser auch leicht wieder abhebt. Eine Beobachtung, die ich in der mir zugänglichen Literatur bisher nicht gefunden habe. Alle andere Wespenverwandten sind wegen des anderen Körperbaus dazu nicht in der Lage."

Dazu eine Beobachtung von Thomas Rickinger: " Dem letzten Satz dieser sehr schönen Darstellung eines für Polistes typischen Verhaltens wäre jedoch zu widersprechen: zumindest die Deutsche Wespe (Vespa germanica) kann das nämlich auch, wie das beigefügte Foto zeigt. Allerdings handelt es sich dabei wirklich um einen absoluten Ausnahmefall. Normalerweise lassen sich die anderen Wespenarten zur Wasseraufnahme praktisch immer auf einen festen Untergrund (Teichufer, Seerosenblätter, ins Wasser hängende Zweige etc.) nieder.

Wie auf dem Bild deutlich zu erkennen, dellt sich die Wasseroberfläche unter den Beinen der Wespe, doch ist die Oberflächenspannung groß genug um zu verhindern, dass das Tier einbricht. Ziemlich riskant ist diese Aktion dennoch: kommt es doch immer wieder vor, dass die trinkende Wespe von anderen Sammlerinnen angerempelt und unter Wasser gedrückt wird. Ertrunkene Wespen waren an meinem – im Sommer viel beflogenen – Teich in den vergangenen Jahren daher ein fast alltägliches Ereignis.

 Foto: Thomas Rickinger; Deutsche Wespe sitzt auf dem Wasser auf
 Foto: Thomas Rickinger; Deutsche Wespe Vespa germanica sitzt direkt auf der Wasseroberfläche auf

 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes dominulus
 Foto: Volker Borovsky; Kolonie von Polistes dominula

Feldwespen sind in der Regel sehr friedfertig.

Nur bei Erschütterung des Nestes oder Belästigung am Nest werden Flugattacken geflogen. Polistes bischoffi gilt dabei als angriffslustigste Art im unmittelbaren Nestbereich. Stiche verursachen, wenn überhaupt, nur einen kurz andauernden Schmerz. Man sollte Feldwespennester im menschlichen Siedlungsbereich also unbedingt tolerieren und schützen.

 Foto: Dieter Kosmeier; Feldwespe beim abraspeln von Baumaterial für ihr Nest
 Foto: Dieter Kosmeier; Feldwespe beim abraspeln von Baumaterial

Feldwespen jagen vorwiegend weichhäutige und nicht allzu mobile Beute wie z.B. Schmetterlingsraupen. Doch gerne nehmen sie auch Nektar auf.

 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominulus besucht eine Blüte
 Foto: Volker Borovsky; Polistes dominula

 Foto: Evghenyi Martunov; Polistes nimpha  Foto: Evghenyi Martunov; Polistes nimpha
 Fotos: Evghenyi Martunov, Chuvashia in Russland; Polistes nimpha baut ihr Nest in einer Metallbox
 

In einigen Ländern werden Polistes gezielt zur biologischen Schädlingbekämpfung eingesetzt und auch im heimischen Gemüsebeet räumen sie gelegentlich unter verschiedenen Schadinsekten auf. Also sollte man froh sein, sie im eigenen Garten beherbergen zu dürfen.

Eine weitere interessante Beobachtung von Volker Borovsky: "In unseren Dachböden bleiben sehr oft einzelne Jungköniginnen während des Winters auf dem alten Nest sitzen. Sie befinden sich in Winterstarre, reagieren aber auch bei etlichen Minusgraden auf eine Störung (Berührung) sofort mit Bewegung und versuchen sich sehr mühselig auf der Rückseite des Nestes in Sicherheit zu bringen. Dabei können sie auch abstürzen, weil sie steif und ungeschickt sind. Königinnen von Vespula vulgaris und V. germanica befinden sich hingegen in einer todesähnlichen Starre und reagieren auch nicht auf Berührung."


Parasit der Feldwespen - Latibulus argiolus (Rossi, 1790) - Synonym: Endurus argiolus
Beobachtungen von Volker Borovsky

Latibulus argiolus (Rossi, 1790) ist als Schlupfwespe ein Parasit bei Polistes dominula. Ein verstärktes Auftreten dieser Art kann das Feldwespennest zum frühzeitigen Absterben bringen, weil der entsprechende Nachwuchs an Jungarbeiterinnen ausbleibt. Die zierlichen Insekten, von denen ich leider noch kein brauchbares Foto besitze, lauern in Nestnähe auf eine günstige Gelegenheit, um in wenigen Sekunden ein Ei in eine Zelle zu legen. Dabei bringt sie das ganze Nest in Aufruhr, aber sie scheint immer wieder zu entkommen. Ob das Ei als "Kuckucksei" aufgezogen wird, oder ob die aus dem Ei schlüpfende Larve eine erwachsene Larve oder Puppe der Feldwespen auffrisst, ist mir nicht bekannt. Soweit ich feststellen konnte, gibt es dazu keine Literatur.

Die befallenen Zellen sind schließlich an der tiefer liegenden, schrägen und planen Zellverdeckelung zu erkennen. Es entstehen 2 Generationen von Schlupfwespen: Die erste Generation umgibt sich nur mit einem dünnseidigen, gelblichen Gespinst innerhalb der Zelle. Das fertige Insekt schlüpft noch im Sommer, wobei es nur die Gespinsthülle und den durchsichtigen Zelldeckel durchbeißen muss. Die 2. Generation bereitet sich auf die Überwinterung im Larvenstadium vor: Es wird ein plastikartiger, brauner und sehr widerstandsfähiger Kokon in der Zelle gesponnen. Er schützt vor Austrocknung, Feuchtigkeit und Schimmelbildung.

Sehr bemerkenswert ist, dass die Larve mit dem Kokon "wandern" kann. Durch ruckartige Bewegungen der Larve schlägt der Kokon mit einem deutlich hörbaren Geräusch gegen die Zellwände bis der dünne Zelldeckel durchstoßen wird und der Kokon zu Boden fällt. Auch dort kann der Kokon noch einige dm "wegrollen", bis er in eine Vertiefung fällt und dort überwintert. Ich hab diese Tierchen oft beobachten können, bei monogynen Nestern mit keinen oder erst wenigen Arbeiterinnen werden sie zum Problem. Sie sind bei uns häufig."

 Latibulus argiolus (Rossi, 1790) im Puppenstadium
 Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)
 Fotos: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)
 Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)
 Auffallend sind die besonders großen Augen, die langen Antennen und Beine
 Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)
 Auffallend sind die besonders großen Augen, die langen Antennen und Beine
 Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)
 Ein späteres Stadium
 Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)
 ausgewachsen ...
 Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)  Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)  Foto: Volker Borovsky; Latibulus argiolus (Rossi, 1790)


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