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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Der Bienenwolf

(Philanthus triangulum, Fabricius 1775, engl.: Bee Wolf)

 >> Teil 3 <<


Es gibt noch eine ähnliche, mediterrane Art, die Wildbienen fängt und nur sehr selten auch im südlichen Mitteleuropa vorkommt. Sie wird bis zu 19mm lang und ist nicht so ausgedehnt gelb gezeichnet wie der heimische Bienenwolf. Das Propodeum ist unpunktiert und unbehaart. Es handelt sich um Philanthus coronatus (Thunberg, 1784).


Foto: Peter Bündgens; aufgenommen auf Kreta im Juni 2003

Vorkommen Philanthus coronatus in Deutschland:
BW: Südbaden: Kaiserstuhl, Tuniberg (Schmid-Egger 1996: Bembix 7:19).
BY: aktuell (briefl. Mitt. Mandery, 1999)

Als Bienenwolf wird ebenso ein rotschwarzer Buntkäfer (Trichodes apiarius) bezeichnet, der sich als Larve in den Nestern verschiedener Solitärbienen und Bienenstöcken entwickelt. Die adulten räuberischen Käfer halten sich auf Blüten auf und überfallen hier andere Blütenbesucher, fressen allerdings auch Blütenstaub.

Als Bienenwolf wirdTrichodes apiarius, Foto: Uwe Schneehagen, Schweiz
Foto: Uwe Schneehagen, Schweiz


Quellen:

  • Witt, Rolf: Wespen beobachten, bestimmen.

  • Bellmann, Heiko: Bienen, Wespen, Ameisen


Haltbar durch Belecken

Quelle: GEO; 05/Mai 2000, Autor: Marcus Anhäuser

Eine räuberische Wespe bewahrt ihre Beute mit "Spucke" vor dem Verschimmeln.

Lebensmittel verderben, wenn sie nicht haltbar gemacht werden. Dieses Problem hat auch der Europäische Bienenwolf Philanthus triangulum. Die Weibchen dieser Grabwespenart erbeuten Honigbienen, lähmen sie durch einen Stich und legen sie als Vorräte in die Brutkammern ihrer Larven, damit diese genug Nahrung finden, um heranzuwachsen und sich zu verpuppen.

Das Raumklima der Kammern aber ist denkbar ungeeignet, um "Fleischvorräte" zu lagern: Die Temperaturen schwanken tagsüber zwischen 20 und 30 Grad Celsius; die Luftfeuchtigkeit erreicht nahezu 100 Prozent - ideale Bedingungen für eine Brutkammer, aber auch für Schimmelpilze. Trotzdem sind die Bienen auch nach mehreren Tagen Lagerung noch schimmelpilzfrei.

Biologen glaubten bisher, dass Substanzen im Betäubungsgift der Bienenwolf-Weibchen die lebenden Vorräte vor Pilzbefall schützen. Der Ökologe Erhard Strohm vom Biozentrum der Universität Würzburg konnte jetzt in einer Versuchsreihe nachweisen, dass nicht das Gift die Bienen konserviert, sondern eine spezielle Behandlung durch den Bienenwolf.

Bevor das Weibchen die betäubte Beute in die Kammer schafft, beleckt es mit den Mundwerkzeugen intensiv deren gesamten Körper. Auf diese Weise bleibt das Opfer drei bis vier Tage gegen Pilzbefall geschützt; ohne die Konservierung schimmelten die gelähmten Bienen bereits nach einem Tag. Um welche Substanz es sich bei dem Pilzgift handelt, versucht Strohm zur Zeit mit Chemikern der Universität Würzburg herauszufinden.

Der Würzburger Forscher hält es für denkbar, dass sich "auch bei anderen Arten dieser Insektengruppe solche Verhaltensmechanismen finden".


Die grausame Apothekerin

Quelle: Die Zeit; März 2005 Autor: Marcus Anhäuser

Mit Hilfe von Bakterien schützt das Bienenwolf-Weibchen seinen Nachwuchs und nutzt ein Antennensekret, um Beute bei lebendigem Leib zu konservieren

Gnadenlos haben ihn die Imker früher gejagt, mit tödlichem E605 oder mit dem Umweltgift Lindan (Hexachlorcyclohexan). So berichtete 1956 die Zeitschrift für Bienenforschung von einer »sehr erfolgreichen« Bekämpfung im fränkischen Pegnitz. Dort hatte der örtliche Imkerverein auf einer Fläche so groß wie drei Fußballfelder stolze 255 Kilogramm Lindan verstreut, um eine ganze Kolonie ihres Erzfeindes zu vernichten.

Der Bienenwolf, so heißt der Imkerschreck, ist eine Grabwespenart. Ihre Weibchen sind etwas größer und schlanker als die pummeligen Honigbienen, denen sie nachstellen. In der Kinderstube von Familie Bienenwolf herrschen grausame Sitten: Die Bienen dienen den fliegenden Wölfinnen als Lebendfutter für ihren Nachwuchs. Die Wespenweibchen lähmen die Bienen durch eine Giftinjektion und bestücken jede ihrer unterirdischen Brutkammern mit bis zu fünf paralysierten Honigsammlerinnen. Auf das Frischfleisch legen sie dann jeweils ein Ei pro Kammer.

Zum Glück für die Wissenschaft konnte allerdings auch der massive Einsatz von Lindan die Wespenart nicht ausrotten. In den 1960er Jahren studierte der niederländisch-britische Verhaltensforscher Niko Tinbergen den Bienenwolf Philanthus triangulum und bekam nicht zuletzt wegen der Forschung über das Orientierungsverhalten der Wespe den Nobelpreis für Medizin, gemeinsam mit Konrad Lorenz und Karl von Frisch. Und unlängst erforschte eine Würzburger Gruppe um Erhard Strohm ein weiteres Geheimnis dieser Wespen, das die Wissenschaftler nun in Current Biology veröffentlichten.

Der Bienenwolf liebt Wärme und baut sein Nest in sonnig sandige Steilwände, aber auch in die Ritzen zwischen Pflastersteinen. »Im Sommer wird es da schnell mal 30 Grad bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit«, sagt Strohm. Ideale Bedingungen für Schimmel und Verderbnis. Doch trotz des tropischen Mikroklimas fand der Wespenkenner nur in vier von hundert Brutkammern Schimmelpilze. Gut so – denn haben diese sich breit gemacht, bedeutet es das Aus für die Bienenwolflarve. Zuerst verschimmeln die Futter-Bienen bei lebendigem Leib, dann der Kokon und drinnen die Larve.

Doch es ist nicht das lähmende Gift, wie ursprünglich angenommen, das den gefährlichen Pilzbefall fern hält. Vielmehr schützt die Grabwespe ihre betäubte Bienenbeute durch Abschlecken. Dies hatte Strohm, der gerade von Würzburg nach Regensburg gewechselt ist, schon vor sechs Jahren entdeckt. »Das Lecken balsamiert regelrecht ein und schützt vor Schimmel«, sagt der Biologe. Ohne Wespenbalsam schimmeln die Bienen drei- bis viermal schneller als geschleckt. Der Schimmelschutz für den Kokon blieb dagegen lange ein Rätsel, denn das Seidengespinst entsteht erst, wenn Mutter schon lange fort ist.

Jetzt kennt Erhard Strohm den Trick: »Ich hatte eine weiße Substanz in Verdacht, ohne aber genau zu wissen, wie sie den Kokon schützt.« Und tatsächlich: Die Bienenwölfin presst vor der Eiablage im Brutkämmerchen eine weiße Paste aus ihren Fühlern, schmiert diese an die Decke und lässt das Ei auf den Bienenkörpern zurück. Die Larve frisst das weiße Zeugs und rettet so ihr Leben. »Durch Zufall fanden wir heraus, was das eigentlich ist: Es sind Bakterien«, sagt Martin Kalthenpoth. Er hat die Einzeller zum Thema seiner Doktorarbeit gemacht. Zigmillionen stäbchenförmiger Einzeller leben in jeweils fünf Drüsen der Bienenwolf-Antennen. Es ist das erste Mal, dass eine derartige Symbiose in Insektenfühlern nachgewiesen wurde.

Nachdem Kalthenpoth Gensequenzen der Antennenbewohner mit jenen anderer Mikroorganismen verglichen hatte, war klar, zu welcher Gruppe sie gehören – und damit auch, wieso die Untermieter Kokon und Larve schützen. »Sie gehören zur Gattung Streptomyces«, sagt der Jungforscher. Bei diesem Namen denken Mikrobiologen und Mediziner sofort an Antibiotika. Etwa 65 Prozent aller in der Medizin eingesetzten Antibiotika werden von Streptomyceten produziert. Zwar werden die meisten gegen andere Bakterien eingesetzt, manche aber auch gegen Pilzerkrankungen.

»Wir haben die Bakterien im Seidenkokon nachgewiesen. Die Larve webt sie beim Spinnen in die Hülle ein«, erklärt Erhard Strohm. Der Nachweis des Antibiotikums wird aber bei den nur in Spuren vorhandenen Mengen nicht einfach. Kanadischen Kollegen gelang vor sechs Jahren Ähnliches bei Blattschneiderameisen. Sie entdeckten die Bakterien auf deren Körpern. Die Ameisenbakterien schützen die Pilzgärten ihrer Wirte gegen Invasionen schädlicher Schimmelpilze mit einem Antibiotikum. Sie gehören zur Gruppe der Actinomyceten, zu der auch die Gattung Streptomyces zählt.

Ob das noch unbekannte Fungizid in Zukunft medizinisch nutzbar wird, hängt von mehreren Faktoren ab. So müssten die Bakterien gezüchtet werden. »Weltweit konnten wir erst wenige Prozent der Mikroorganismen kultivieren«, dämpft Roy Gross, Mikrobiologe in Würzburg, die Erwartungen. Symbiotisch lebende Bakterien wie in den Wespenfühlern können extrem wählerisch sein, was ihre Lebensbedingungen angeht. Was macht wohl Insektenfühler so heimelig? »Man könnte auch das Genom sequenzieren und dann das Antibiotikum identifizieren«, schlägt Martin Kalthenpoth vor. Das dürfte nicht ganz billig werden. Aber auch ohne die heute so oft geforderte Anwendungs-tauglichkeit findet Gross solche Grundlagenforschung extrem spannend. »Jedes neu entdeckte System birgt so viele Geheimnisse. Wer weiß, welche Abwehrstoffe die Bakterien noch produzieren.« Und was der einst erbarmungslos gejagte Jäger sonst noch an Überraschungen zu bieten hat."


Der Kuckuck oder Parasitoid des Bienenwolfes

Die parasitoide Goldwespe Hedychrum rutilans ist auffällig glänzend metallisch gefärbt, hauptsächlich in Rottönen, aber auch bläulich und grünlich. Der Hinterleib dieses schönen Insekts kann - je nach Blickwinkel des Betrachters - farblich durch so genannte Struktur- oder Interferenzfarben recht unterschiedlich wirken (durch Interferenz des von unterschiedlichen Chitinschichten reflektierten Lichtes).


Foto: Erhard Strohm

Die Goldwespe Hedychrum rutilans ist zur Erhaltung der Art auf den Bienenwolf spezialisiert und demnach meist an deren Nestaggregationen zu finden; wo sie die Bienenwolfnester regelmäßig inspiziert und abfliegt.

Bei Hedychrum rutilans lassen sich 2 Strategien beobachten, den Wirt Bienenwolf zu parasitieren:

1. Hedychrum rutilans kann nicht mehr in bereits vorhandene Brutzellen eindringen, denn diese sind sehr sorgfältig vom Bienenwolfweibchen verschlossen worden. Dagegen wird ein Ei auf die im Hauptgang zwischengelagerten Bienen gelegt (bevor diese verproviantiert werden).

2. Die Goldwespen-Weibchen nähern sich bereits im Fluge einem von erfolgreicher Jagd auf Honigbienen zurückkehrenden Bienenwolf-Weibchen, um noch vor der Verproviantierung in der Bienenwolfhöhle ein Ei am Beutetier anzuheften.

Die erstgenannte Strategie scheint nach Erhard Strohm die weitaus häufigere zu sein.

Die Goldwespe Hedychrum rutilans findet man zwecks Eigenversorgung auch gerne auf Blüten.


Weitere Informationen


 


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