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- aktualisiert am 31.10.2016 -

Keine Angst vor Hornissen!


Herausgeber und Webmaster
Dieter Kosmeier & Dr. Elmar Billig
Foto - und Videogalerien

Dr. Elmar Billig
Wissenschaftliche Beratung
Thomas Rickinger


 

Steckbrief Hornisse - die wichtigsten Informationen auf einen Blick:
  • Wissenschaftlicher Name => Vespa crabro
  • Farbformen => Vespa crabro crabro Linnaeus, 1758 und Vespa crabro germana Christ, 1791
  • Verbreitung => in Europa bis zum 63sten Breitengrad; USA, Kanada, Asien
  • Körpergröße => Königin bis zu 35mm, Arbeiterin 18-25mm, Drohn 21-28mm
  • Lebenserwartung => Arbeiterin 3 - 4 Wochen, Königin 1 Jahr; Nestdauer also nur eine Saison
  • Ernährung der Brut => es werden Insekten erbeutet, daher wichtige Regulatoren im Naturgefüge
  • Ernährung der Arbeiterinnen => fast nur Kohlenhydrate (Baumsäfte, Nektar, Fallobst, Honigtau)
  • Nestgründung => erfolgt Mitte April / Anfang Mai; allein durch eine begattete Jungkönigin
  • Nistplatz => in Hohlräumen wie Baumhöhlen, Vogelnistkästen und auch Rollladenkästen
  • Nestgröße => 60 cm Länge, 30 cm im Durchmesser (je nach Platzangebot auch > oder < )
  • Filialbildung => bei zu kleinen Nisthöhlen vermögen Hornissen eine Filiale zu gründen
  • Volksstärke => im Hochsommer 400 - 700 Individuen gleichzeitig
  • Paarung => Ende September / Anfang Oktober an schönen Herbsttagen
  • Überwinterung => nur die begatteten Jungköniginnen überwintern (einzeln)
  • Verhalten => erstaunlich friedfertige Tiere, die nie grundlos angreifen; Stich nur bei Verteidigung
  • Stich => Der Stich ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene, Drohnen haben keinen Stachel
  • Allergische Reaktionen nach einem Stich => treten nur bei etwa 2 -3% der Bevölkerung auf
  • Bestandsgefährdung => regional stark bedroht oder bereits ausgestorben
  • Schutz => Hornissen sind in Deutschland nach BArtSchV und BNatSchG besonders geschützt.
                     (Rechtliche Grundlagen siehe Hauptseite Teil 4)

 


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Teil 1:
Schlechter Ruf - was ist dran?
Hornissen sind friedfertige Tiere!

Hornissen werden vielfach heute noch als gefährlich eingestuft und stoßen oft auf Ablehnung.

Hornisse (Vespa crabro) mit ihrer markanten gelb-schwarzen Färbung; Foto: Konrad Schmidt

Daran sind häufig falsche Vorstellungen über Verhaltensweisen der Hornissen und die Wirkung ihrer Stiche schuld. "Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein Kind".

Dieser Irrglaube hat sich seit Generationen gehalten und wohl dazu geführt, dass in manchen Gegenden die Hornissen durch gnadenlose Verfolgung leider recht selten geworden sind.

In vielen Regionen Mitteleuropas ist die Hornisse mittlerweile sogar vom Aussterben bedroht!

Wie alle anderen staatenbildenden Insekten verteidigen Hornissen nur ihr Volk und ihre Königin gegen tatsächliche oder vermeintliche Angriffe auf das Nest. Deshalb muss grundsätzlich zwischen zwei Verhaltensweisen unterschieden werden, dem Verhalten im unmittelbaren Nestbereich (Radius von 2-3m) und dem außerhalb des Nestbereiches. Selbstverständlich sind Störungen wie heftige Bewegungen, Blockieren der Flugbahn sowie Erschütterungen am Nest grundsätzlich zu vermeiden.

Bei behutsamer Annäherung und ruhigem Verhalten ist es aber durchaus möglich, das rege Leben und die ständigen Flugbewegungen der Hornissen ganz aus der Nähe zu verfolgen, ohne gestochen zu werden. Hornissen verteidigen sich nur, wenn sie im unmittelbaren Nestbereich gestört werden, außerhalb dieser Zone sind Hornissen nie angriffslustig.

Demonstration einer friedlichen Hornisse; Foto: Dr. Elmar Billig

Es ist viel zu wenig bekannt, dass Hornissen erstaunlich friedfertige Tiere sind, die nicht grundlos angreifen; sie sind sogar scheuer als Honigbienen und ziehen es immer vor, einem Konflikt durch Flucht auszuweichen. Wissenschaftlich ist längst erwiesen, dass Stiche von Hornissen nicht gefährlicher sind als die von Bienen und Wespen. Bedingt durch ihre beachtliche Größe und die lauten Fluggeräusche lösen Hornissen oft unbegründete ängste aus. Wer dann, um die Tiere abzuwehren, um sich schlägt, könnte eventuell gestochen werden.

Friedliche Hornissen! Foto: Dr. Elmar Billig

Für den gesunden Menschen stellt ein Hornissenstich keine besondere Gefahr dar. Hornissengift ist nicht toxischer als Bienen- oder Wespengift!

An dieser Stelle einige wissenschaftliche Fakten: Bienengift ist, da es leicht in größeren Quantitäten zu gewinnen ist, chemisch und toxikologisch sehr gut erforscht. Die LD50 (Giftmenge, die in 50% aller Fälle zum Tode führt) beträgt für Bienengift bei Versuchen an Ratten und Mäusen recht exakt 6 mg Gift je kg Körpergewicht (entspricht ca. 40 Stichen/kg Körpergewicht). Bei Hornissengift werden Zahlen von 10mg/kg (HABERMANN 1974) bis 90mg/kg (KULIKE 1986) genannt (entspricht ca. 154 - 180 Stichen/kg Körpergewicht). Das Bienengift hat demzufolge eine um den Faktor 1,7 -15 höhere Wirksamkeit als das Gift der Hornisse! (Hier finden Sie die genaue Quellenangabe Kulike / Habermann)

Der Stachel der Hornisse (Foto Dr. Elmar Billig)

Das Wespen- und Hornissengift ist nicht in erster Linie dafür bestimmt, gegen Wirbeltiere eingesetzt zu werden. Das mag verwunderlich erscheinen, ist es aber nicht: Der Verwendungszweck, für den die Stechapparate von Wespen und Bienen entwickelt worden sind, ist unterschiedlich! Bienen sind Nektar-Sammler, Wespen Insektenjäger.

Detailansicht Stachel

In einem Bienenstock lagern große Honigmengen und müssen gegen naschhafte und räuberische Feinde verteidigt werden. Solche waren und sind seit Urzeiten in erster Linie kleine und große Wirbeltiere, von der Spitzmaus über den Dachs bis hin zu Braunbären und Menschen. Wespen haben wesentlich weniger derartige natürliche Feinde.

Das erklärt den Unterschied und noch einige Eigenheiten des Stechapparates der Honigbiene: Die Biene verliert ihren Stachel beim Stich eines Wirbeltieres. Dies bringt der Biene den Tod, erhöht aber die Wirksamkeit des Giftes, denn während eine stechende Biene leicht abgestreift werden kann, bleibt der Stachel stecken und gewährleistet dadurch, dass der Inhalt der Giftblase vollständig in die Wunde gelangt.

Außer zur Verteidigung benützen Wespen und Hornissen ihren Stachel dagegen vorwiegend im Kampf gegen arteigene Rivalinnen und um große, sich heftig wehrende Beutetiere zu töten. Die Hornisse kann sich verschwenderischen Umgang mit ihrem Gift nicht leisten, da sie es bei der Jagd öfters benötigt. Ihre Giftblase enthält eine Giftmenge von etwa 0,5 mg Frischgewicht (entspricht 0,19 mg Trockensubstanz). Beim Stich wird in der Regel nur etwa 10-50% des Giftblaseninhaltes injiziert.

Dadurch verschiebt sich das Gewicht der höheren Giftigkeit noch mehr auf die Seite der Honigbiene! Der Stechapparat der Biene ist für den Einsatz gegen Wirbeltiere perfektioniert, derjenige der Wespen- und Hornissen dagegen für die Insektenjagd.

Hornisse von vorne (Foto: Dr. Elmar Billig)

Wenn die Einstichstelle sofort ausgesaugt und gekühlt wird, tritt - wie nach einem Bienenstich - eine schnelle Linderung ein. In sehr seltenen Ausnahmefällen (nur bei etwa 2 - 3% der Bevölkerung) können Hornissenstiche,  wie andere Insektenstiche auch, bei manchen Menschen mitunter allergische Reaktionen auslösen. Hierbei handelt es sich um Fehlschaltungen des Immunsystems. Diese Reaktionen beginnen mit Nesselsucht, Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle bis hin zur Atemnot; vorsichtshalber sollte man dann SOFORT einen Arzt kontaktieren.

Besonderheit: Es muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen einer Wespenstich- und der häufigeren Bienenstichallergie! Die Art der Allergie sollte durch eine fachärztliche Untersuchung nachgewiesen werden. Insektenstichallergie ist also nicht gleich Insektenstichallergie! Man unterscheidet verschiedene Schweregrade, u.a. schwere Lokalreaktionen (Stichstelle > 10 cm) sowie Allgemeinreaktionen vom Grad I-IV. Nur ein geringer Prozentsatz aller Betroffenen erleidet wirklich die schwerste Form (Allgemeinreaktion Grad IV, d.h. anaphylaktischer Schock).

Mehr Details hierzu später auf unseren Spezialseiten "Stachel der Hornisse", "Hornissengift - Toxizität, Giftmenge und Wirkung", "Vermeidung und Behandlung von Hymenopterenstichen" und "Insektengiftallergie, Diagnose und Therapie".

Seitenansicht einer Hornisse Vespa crabro; Foto: Dr. Elmar Billig

Gefährdet sind nur Menschen, die zuvor schon einmal gestochen wurden (Nur etwa jeder Zweite ist in seinem Leben schon einmal von einer Biene oder Wespe gestochen worden).

Wer bisher also noch keine unangenehme Begegnung mit Biene, Wespe, Hornisse oder Hummel hatte, kann direkt nach einem erhaltenen ersten Stich somit keine gefährlichen allergischen Reaktionen aufweisen!

Aber woher kommt der unsinnige Ausspruch, dass Hornissenstiche tödlich sein können? Nach einer überlieferung sollen schon zu biblischen Zeiten Hornissen - vermutlich die Art Vespa orientalis - als biologische Waffe eingesetzt worden sein. In Tonkrügen wurden sie angesiedelt, die dann als "Bio-Bomben" mit Katapulten in die gegnerischen Reihen geschleudert wurden. Beim Aufprall zerbrachen die Krüge und die Hornissen schwärmten aufgeschreckt aus und stachen auf alles, was sich bewegte. Die völlig verwirrten gegnerischen Reihen sollen so in die Flucht geschlagen worden sein.

Augen der Hornisse; Foto: Dr. Elmar Billig

Auf diesen Fotos sind die nierenförmigen, aus zahlreichen Einzelaugen (Ommatidien) zusammen gesetzten, fein facettierten Hauptaugen sehr gut zu erkennen. Sie werden auch Facettenaugen oder Komplexaugen genannt und ermöglichen das Bildsehen der Hornisse. Das Komplexauge der Hornisse - und auch das anderer Insekten - besteht aus vielen kleinen Einzelaugen, die jeweils alle mit einem eigenen Nervenende verbunden sind. Eine Linse nimmt also jeweils nur einen kleinen Ausschnitt der Umgebung wahr. Weitere Details hierzu auf unserer Spezialseite in einem neuen Fenster.

Ocellen; Foto: Dr. Elmar Billig

Sie werden in ihrer Funktion noch unterstützt durch drei punktförmige Nebenaugen (auch Ocellen, Stirnaugen oder Punktaugen genannt). Diese sind auf dem Scheitel zu einem nach hinten offenen Dreieck angeordnet.

Nachgewiesen wurde bisher, dass die Ocellen lediglich Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen und besonders empfindlich auf kurzwelliges polarisiertes Licht reagieren. Sie haben zweifellos unterstützende Funktion bei der Navigation und bei der Lagekorrektur im Fluge.

Die drei Stirnaugen sind mit je einem Gleichgewichtsorgan verbunden, die sich im Inneren der Kopfkapsel befinden. Den gesamten Organkomplex kann man sich als eine Art "optischer Kreiselkompass" vorstellen. Die Ocellen beeinflussen darüber hinaus auch die Neurosekretion im Gehirn und im Zentralnervensystem. Sie sind vermutlich eine Komponente der "Inneren Uhr" und für die Steuerung des Tagesrhythmus mit verantwortlich.

Hornissenpopulationen waren ursprünglich vorwiegend in Ostasien verbreitet, sie sind typische Bewohner der Subtropen. Das Gebiet vom östlichen Himalaja bis Südchina weist mit alleine 11 Hornissenspezies den größten Artenreichtum auf. Von den weltweit bekannten 23 Hornissenarten sind nur unsere Vespa crabro sowie die Orientalische Hornisse (Vespa orientalis) bis in die nördlichen und westlichen Teile Eurasiens vorgedrungen. Letztere erträgt als einzige Hornissenart trockenes Wüstenklima und ist noch im mittleren Osten und im südlichen Europa anzutreffen.

Vespa crabro hingegen erreicht in Mitteleuropa erst bei etwa dem 63sten Breitengrad  ihre nördliche Verbreitungsgrenze.

Weltweit gibt es jedoch mittlerweile  - durch menschliche Mithilfe - auch Vorkommen in Nordamerika und Kanada. Nach Nordamerika wurde sie zwischen 1840 und 1860 als adventive Art durch den Menschen eingeschleppt. Ausgehend von der Ostküste hat sie sich in der Zwischenzeit bis zum Mississippi ausgebreitet und diesen auch stellenweise bereits überschritten. So sind Populationen von Vespa crabro in Ontario, North Carolina, Texas und Tennessee mit einigen Vorkommen westlich des Mississippi Rivers bekannt. In Kanada ist sie noch im Süden Quebecs und Ontarios anzutreffen. Neueste Meldungen berichten von Vorkommen im zentralamerikanischen Guatemala.

Verbreitung von Vespa crabro

Weltweit sind bisher 9 geografische Farbformen der Vespa crabro beschrieben worden:

  • Vespa crabro crabro Linnaeus, 1758

  • Vespa crabro vexator Harris, 1776

  • Vespa crabro germana Christ, 1791

  • Vespa crabro crabroniformis Smith, 1852

  • Vespa crabro oberthuri du Buysson, 1902

  • Vespa crabro flavofasciata Cameron, 1903

  • Vespa crabro altaica Pérez, 1910

  • Vespa crabro caspica Pérez, 1910

  • Vespa crabro chinensis Birula, 1925

Wächter des Nesteingangs einer "Hornissenburg"
Wächter des Nesteingangs einer Hornissenburg;  Foto: Konrad Schmidt

Die Hornisse hat in anderen Ländern diese Namen:
Dänemark = Stor gedehams
Finnland = Herhiläinen, Herhiläiset (Plural)
Frankreich = Frelon, Guępe frelon, Guichard
Großbritannien = Hornet
Italien = Calabrone
Lettland / Latvia / Lettonie = sirsenis oder irsis
Niederlande = Hoornaar
Polen = Szerszeń
Portugal = Vespa grande
Russland = scherschen
Schweden = Bĺlgeting
Spanien = Abejorro, Avispon
Türkei = Eşekarısı
USA = Giant Hornet, European Hornet, Old World Hornet
           oder Brown Hornet.

Bitte Vespa crabro NICHT verwechseln mit der in den USA ebenfalls vorkommenden, dort bekannteren "Bald-faced hornet" Dolichovespula maculata (Linnaeus, 1763). Diese Wespenart baut ihre fußballgroßen Nester offen in Bäume und Sträucher und NIE in Hohlräume!


>>> Hier geht es weiter zu Teil 2 <<<
Lebenszyklen eines Hornissenstaates


 

Bücher zum Thema

Literaturhinweise

 

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Dieter Kosmeier

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